Biografie
 
© 1999 by Ursula Boeckler, Cologne

Manos Tsangaris

 

Manos Tsangaris wurde 1956 in Düsseldorf geboren und studierte Komposition und Neues Musiktheater bei Mauricio Kagel und Schlagzeug bei Christoph Caskel an der Musikhochschule Köln. Seine Kompositionen finden international Beachtung und wurden u.a. auf renommierten Festivals wie den Wittener Tagen für neue Kammermusik, Belgrader Internationalen Theaterfestival, der MusikBiennale Berlin, der Biennale Venezia und den Donaueschinger Musiktagen und an Theater- und Operhäusern in Köln, New York, Mannheim, Dresden und Bielefeld aufgeführt. Darüber hinaus erhielt Manos Tsangaris zahlreiche Kompositionsaufträge von deutschen Rundfunkanstalten und schrieb ein großes Orchesterwerk zum 15jährigen Bestehen der Kölner Philharmonie. Seit 1990 werden seine installativen und bildnerischen Arbeiten regelmäßig von wichtigen Galerien und Museen im In- und Ausland präsentiert. Einzelausstellungen wurden ihm u.a. vom Kölner Diözesanmuseum und der Kunsthalle Odense (DK) gewidmet. Seit 1986 erscheinen seine Gedichte in Anthologien und in Einzelveröffentlichung u.a. beim Kölner Thürmchen-Verlag und dem Stuttgarter Radius-Verlag. Konzertreisen führten ihn in viele Länder Europas, nach Nordamerika und Asien.  

Auf Einladung des Sowjetischen Komponistenverbandes war Tsangaris 1991 Composer in Residence in Moskau. Im selben Jahr initiierte er den Kongress Praemoderne in Köln. 1991 erhielt er das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln, 1993/94 das Stipendium der Akademie Schloß Solitude, Stuttgart, 1997 wurde ihm der Kunstpreis (Musikförderungspreis) der Akademie der Künste Berlin verliehen, 1998 Aufenthalt in der Villa Serpentara, Olevano.

2002 bis 2007 war Manos Tsangaris künstlerischer Berater der Intendanz des Kölner Schauspielhauses.

1991 war er Dozent der Sommerakademie Civitella d'Agliano (I), 2002 unterrichtete er transdisziplinares Komponieren bei Ny Musikk in Oslo und Stavanger (N). 2003 an der KlangKunstBühne der Universität der Künste Berlin. 2004, 2006 und 2008 ist er Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen.

2007/08 leitet er das Akademeprojekt des Europäischen Zentrums der Künste in Dresden, Festspielhaus Hellerau mit 20 Stipendiaten.

Im Wintersemester 2008/09 wird er eine Vertretungsprofessur für Komposition an der Universität der Künste Berlin wahrnehmen.

Januar 2009 findet an der Hochschule Musik und Theater Zürich eine Projektwoche mit Werken von Manos Tsangaris statt. 

Zur Zeit widmet Tsangaris sich verstärkt themenspezifischen Auftragskompositionen (u.a. zu Hans Christian Andersen, zu Heinrich Böll sowie zu antiken und biblischen Motiven) und ist darüber hinaus mit immer neuen Arrangements seiner bislang rund 30 Musiktheaterminiaturen auf zahllosen Musikfestivals im In- und Ausland vertreten. 

Im Oktober 2008 wird an der Staatsoper Unter der Linden in Berlin das neue Stationentheater chatroom murder für Schauspieler, Sänger und Instrumentalensemble zur Uraufführung kommen.

Ebenfalls im Oktober 2008 dirigiert Lothar Zagrosek das Stück Glück macht mutig für Chor mit elektronisch bearbeiteten Stimmklängen nach Texten aus Tagebüchern von Hans Christian Andersen mit dem Chor des Bayrischen Rundfunks im Rahmen der musica viva München. 

"Die Frage, wie sich die verschiedenen medialen Wahrnehmungsbereiche des Menschen im Kunstwerk sinn- und bedeutungsvoll verbinden lassen, steht im Mittelpunkt der kompositorischen Arbeit von Manos Tsangaris. Die Tätigkeit des Komponierens bezieht sich damit nicht nur auf die Leistung, Dinge zusammenzufügen (eben zu kom-ponieren), sondern zugleich auf die vorausgehende experimentelle Erforschung der Schnittstellen, an denen mediale Verbindungen überhaupt erst möglich werden. Der Erweiterung des traditionellen Kompositionsbegriffs entspricht die Vielfalt der möglichen Resultate. In den vergangenen 25 Jahren entstanden neben musikalischen Kompositionen auch Gedichte, Prosa und installative wie bildnerische Werke. Obwohl Tsangaris' Arbeiten im Bereich Wort und Bild durchaus Anspruch auf Eigenständigkeit erheben, ist ihre Bündlung und Synthese in einem universell verstandenen Musiktheater das zentrale Moment seiner künstlerischen Tätigkeit."                       

Raoul Mörchen